

Sobald die Belastung steigt, wechseln die meisten Menschen zur Mundatmung. Im Training, im stressigen Meeting, in einem langen Arbeitstag. Es fühlt sich natürlich an. Ist es aber nicht.
Mundatmung ist eine Kompensation. Nasenatmung ist das, wofür dein Körper gebaut wurde. Und der Unterschied in der Performance ist grösser, als die meisten vermuten.
Warum Nasenatmung einen Unterschied macht
Die Nase ist kein einfacher Filter. Sie ist ein aktiver Teil deines Atemsystems – mit direktem Einfluss darauf, wie dein Körper Sauerstoff nutzt, Stress reguliert und sich erholt.
Was beim Atmen durch die Nase passiert:
Stickstoffmonoxid wird produziert. Die Nasengänge bilden Stickstoffmonoxid – ein Molekül, das Blutgefässe weitet, den Sauerstofftransport verbessert und antivirale Eigenschaften hat. Wer durch den Mund atmet, überspringt diesen Schritt komplett.
CO₂-Toleranz steigt. Kohlendioxid ist kein reines Abfallprodukt. Es ist der wichtigste Auslöser dafür, dass Sauerstoff aus den roten Blutkörperchen ins Gewebe abgegeben wird (Bohr-Effekt). Wer zu schnell durch den Mund atmet, senkt den CO₂-Spiegel – und die Sauerstoffversorgung von Muskeln und Gehirn nimmt ab, obwohl die Lunge voll ist. Nasenatmung verlangsamt die Atemfrequenz und hält den CO₂-Spiegel in einem funktionalen Bereich. Mehr dazu in meinem letzten Blog Post.
Herzrate stabilisiert sich, HRV verbessert sich. Nasenatmung aktiviert den parasympathischen Ast des Nervensystems. Das senkt die Herzrate und verbessert die Herzratenvariabilität (HRV) – den Wert, den Leistungssportler und Trainer heute nutzen, um Erholung und Belastbarkeit zu messen. Höhere HRV bedeutet: Das Nervensystem ist anpassungsfähiger. Und mehr Anpassungsfähigkeit bedeutet bessere Leistung unter Druck.
Atemfrequenz sinkt. Nasenatmung verlangsamt den Atem von selbst. Weniger Atemzüge pro Minute bedeuten weniger Atemarbeit, weniger Energieaufwand und eine effizientere Sauerstoffaufnahme – alles relevant für anhaltende sportliche Leistung.
Das Ergebnis: mehr Energie bei weniger Aufwand. Kein Marketing-Versprechen – das ist der Mechanismus dahinter.
Deinen Ausgangswert messen: Der BOLT-Score
Bevor du mit dem Atemtraining anfängst, lohnt es sich zu wissen, wo du stehst. Der BOLT-Score (Body Oxygen Level Test) ist ein einfacher Selbsttest, der deine CO₂-Toleranz misst – einer der besten Indikatoren für Atemeffizienz.
So geht’s:
- Sitz ruhig und atme eine Minute lang normal
- Atme normal ein, dann normal aus
- Halte die Nase zu und stoppe die Zeit
- Zähle die Sekunden bis zum ersten deutlichen Atemdrang (nicht das Maximum – das erste natürliche Signal)
- Loslassen und wieder normal atmen
Was das Ergebnis bedeutet:
- Unter 20 Sekunden: Atemeffizienz ist gering, klares Potenzial zur Verbesserung
- 20-40 Sekunden: funktionaler Bereich für die meisten gesunden Erwachsenen
- Über 40 Sekunden: gut trainierte Atemeffizienz, typisch für Ausdauersportler mit gezieltem Atemtraining
Die meisten Menschen landen zwischen 15 und 25 Sekunden. Ein Wert unter 20 korreliert mit erhöhter Ruheatemfrequenz, niedrigerer HRV und schnellerer Erschöpfung unter Last. Regelmässiges Nasenatmungs- und CO₂-Toleranztraining erhöht den BOLT-Score messbar – innerhalb weniger Wochen.
Nasenatmung im Training anwenden
Für Sportler und Leistungsträger geht es nicht nur um Nasenatmung im Alltag. Das Ziel ist, die Schwelle zu verschieben, bei der Nasenatmung unter Belastung noch komfortabel bleibt.
Ein praktischer Ansatz:
- Niedrigintensive Einheiten: Nur Nasenatmung bei allen aeroben Einheiten unter 75% der maximalen Herzrate. Am Anfang fühlt sich das langsam an. Das ist das Anpassungssignal: Dein Körper lernt, aus jedem Atemzug mehr Sauerstoff zu ziehen, statt einfach mehr zu atmen.
- Regenerationseinheiten: Den 3-Minuten-Reset als Cool-down nach intensiven Einheiten nutzen, um die parasympathische Erholung zu beschleunigen.
- Kognitive Belastung: Wenn dein Sport taktischen Druck beinhaltet – Entscheidungen, Wettkampfangst, Konzentration unter Stress – verbessert Nasenatmung vorher und dabei den Fokus durch CO₂-Stabilisierung und Senkung der Cortisol-Reaktion.
Sportler, die das bereits systematisch trainieren – Ausdauersportler, Kampfsportler, Radsportler – behandeln es nicht als Wellness-Bonus. Sie behandeln es als Trainingsvariable. Weil es genau das ist.
Nächste Schritte
Die Veränderung braucht keinen Kurs und kein Retreat. Sie beginnt damit, wahrzunehmen, wie du jetzt gerade atmest.
Ein einfacher Einstieg:
- Schliesse deinen Mund.
- Atme 4 Sekunden lang durch die Nase ein.
- Atme langsam 6 Sekunden lang aus.
Mach das für 2–3 Minuten an deinem Schreibtisch.
Das war’s.
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